Predigt Taufe des Herrn A26


11.01.2026

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wenn wir heute das Fest „Taufe des Herrn“ feiern, werden wir auch an unsere eigene Taufe erinnert. Es ist deshalb einmal gut, wenn wir uns neu vergewissern, was wir in der Taufe eigentlich gefeiert haben. Das ist nicht einfach eine Nebensache, sondern – wie wir sagen – eine Gnade, die unser ganzes Leben prägen sollte und bestimmen sollte. Wir reden von der Taufgnade. Was ist damit gemeint?

2. Und da sind wir schon bei einem wichtigen Punkt: Zunächst einmal fällt auf, dass die Taufe wohl von Anfang an zum Christentum zählte und das, obwohl Jesus gar nicht getauft hatte. Es fällt weiterhin auf, dass die Taufe des Johannes am Jordan irgendwie anders war als die Taufe, die später die Christen vollzogen. Darüber müssen wir jetzt sprechen.

3. Johannes taufte zur Umkehr und Vergebung der Sünden. Entsprechend war seine Taufe immer auch eine Drohung: „Als Johannes sah, dass viele Pharisäer und Sadduzäer zur Taufe kamen, sagte er zu ihnen: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn gelehrt, dass ihr dem kommenden Zorngericht entrinnen könnt? Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt, und meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen dem Abraham Kinder erwecken. Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt; jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen“. Die Taufe der ersten Christen ist aber ganz anders. Da haben wir viele alte Zeugnisse aus dem Neuen Testament, besonders aus den Paulusbriefen: Gal 3,26-27: „Denn alle seid ihr durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. “. Oder: 1 Kor 6,11: „Aber ihr seid reingewaschen, seid geheiligt, seid gerecht geworden im Namen Jesu Christi, des Herrn, und im Geist unseres Gottes.“ Oder ein letztes Beispiel: 1 Kor 12,13: „Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt“. Spüren Sie den Unterschied zur Johannestaufe? Das sind keine Drohungen, das sind Zusagen, Gnade, Geschenk. Wir haben Christus als Gewand angezogen, sind also wie Christus in der Gotteskindschaft zum Vater. Wir sind geheiligt, reingewaschen, vor Gott gerecht gesprochen. Wir wurden in den Leib Christi aufgenommen, sind also mit dem Geist Gottes getränkt. Genau das haben wir in der Taufe gefeiert. Kurz: Die Taufe ist die Feier der Würde des Menschen. Diese Würde kommt einer Neugeburt gleich. So heißt es im Johannesevangelium: „Jesus antwortete dem Nikodemus: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus dem Wasser und dem Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von oben geboren werden.“

4. Deshalb haben die Christen von Anfang an die Taufe als das Sakrament einer Neugeburt gefeiert. Der Täufling stieg nach langer Zeit der Vorbereitung ins Wasser und tauche als neuer Mensch wieder auf. Neugeburt. Das haben wir also in der Taufe gefeiert. Ein uns von Gott fest zugesagtes Versprechen einer neuen Würde, die einer Neugeburt gleichkommt. Durch Christus ist uns Neues geschenkt worden, das seinen Ursprung nicht von dieser Welt hat, sondern aus Gott. Aus Gott geboren. Und genau das ist die Taufgnade, die uns prägen soll.


Franz Langstein