Predigt am Aschermittwoch 2026

                                                                                                Mk 8,27-35 

 18.02.2026

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wenn wir heute die Fastenzeit beginnen, dann steht oft ganz oben der Vorsatz, auf irgendwas zu verzichten. Ja, die Fastenzeit ist geradezu, so scheint es, die Zeit des Verzichtens. Verzicht wird dabei vor allem erst einmal empfunden als Verlust, als Opfer, als Loslassen. Es ist vielleicht einmal gut, sich vor Augen zu halten, dass diese Art des Verzichts keine Kategorie des christlichen Lebens ist. Der Christ, wenn er denn verzichtet, verzichtet nicht um des Verzichtens willen. Er verzichtet um eines Gewinns willen. Verzicht ist hier kein Verlust, sondern ein Gewinn. Wie es gerade im Evangelium hieß: „Wer sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es gewinnen“. Wenn wir also heute die Fastenzeit beginnen, geht es nicht intentional um einen Verzicht um des Verzichtens willen, sondern es geht um einen Lebensgewinn. Wir verzichten, um etwas zu gewinnen. Sie kennen das Evangelium vom Schatz im Acker: Da entdeckte einer einen Schatz im Acker. Das verkauft er seinen ganzen Besitz, also er verzichtet auf seinen ganzen Besitz, um den Acker kaufen zu können, denn dieser ist viel wertvoller als sein Besitz.

2. Was ist damit gemeint? Es geht um einen Gewinn heißt: Es geht um einen Zugewinn zum jetzigen Leben. Es geht um mehr Lebensqualität. Es geht um das Ausschöpfen des Potentials, das unser Leben beinhaltet. Es geht um die Erfahrung, dass im Leben mehr möglich ist als wir vermuten. „Fasten heißt, sich frei machen von den tausend Fesseln, der tausend toten Dinge, die man dir angepriesen und aufgedrängt hat, als seien sie unerlässlich für das Leben.“ (Phil Bosmann belg. Ordenspriester). Im Leben vieler Menschen ist so viel mehr möglich, wenn sie sich nur nicht an die Dinge klammern, von denen sie Leben erhoffen. „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren“. Indem Menschen versuchen, ihr Leben zu retten, das heißt, indem sie versuchen, das zu tun, von dem man vordergründig meint, es bringt mir Gewinn, es bringt mir Ansehen, es bringt mir das Gefühl, dazuzugehören, machen sie sich genau davon abhängig und investieren viel Zeit darin und merken nicht, dass jenseits von all dem in ihrem Leben noch so viel möglich wäre. „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Wer es aber verliert, wird es retten“. Sein Leben um seines Lebens willen gewinnen, erfordert also einen scheinbaren Lebensverlust. Also Verzicht, um das ganze Potential des Lebens auszuschöpfen.

3. Beispiele: Da glaubt jemand, er müsse so und so viel Stunden am Handy rumhängen, um ja nichts zu verpassen. Er glaubt also, das sei ein Lebensgewinn und will sein Leben retten, indem er ja nichts auf den sozialen Medien verpasst, aber genau dadurch verpasst er vieles. Oder: Man hängt zu Hause rum, Glotze an, abschalten, sich ablenken. Dauerbeschallung und visuelle Dauerüberreizung als Mittel, sein Leben zu gewinnen. Das Gegenteil ist der Fall. So viel Potential im Menschen kommt nicht zur Verwirklichung. So viel Lebensqualität bleibt brach liegen. Es ist im Leben viel mehr möglich, wenn man mal verzichtet auf das, wovon man glaubt, das brauche man unbedingt. „Fasten heißt, sich frei machen von den tausend Fesseln, der tausend toten Dinge, die man dir angepriesen und aufgedrängt hat, als seien sie unerlässlich für das Leben.“

4. Stattdessen die Zeit nutzen, was für sich Gutes zu tun. Für sich: Sein Hobby weiter auszubilden oder sich mal eines anzueignen, was man eigentlich schon immer mal machen wollte. Ein interessantes Buch zu lesen. Für andere: Die Zeit zu nutzen für gemeinsame Dinge: Gemeinsam mal die Natur zu erleben, raus zu gehen, mit Familie oder Freunden was zu unternehmen, mal Menschen zu besuchen, die sich freuen, wenn ich komme. Oder einen Krankenbesuch. Für Gott: Sich in gute religiöse oder theologische Lektüre zu vertiefen, gute Gespräche führen mit Freunden, Gottesdienste mitzufeiern, die Stille aufzusuchen. Wie würde das Leben der Menschen an Qualität gewinnen. Sie sehen: Es steckt so viel Potential in unserem Leben, so viel an unentdeckter Lebensqualität, so viel an Mehrwert. Verzicht kann ein Gewinn sein. „Wer sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es gewinnen“ Dazu lädt uns die Fastenzeit ein.


Franz Langstein